Bridge in Halle (Saale): Der Versuch einer Chronik
Die Anfänge verdanken wir Udo Marx, der Schulkameraden der Uni-Spezialklasse und schließlich auch einige Kommilitonen des Physik Matrikels 1968 der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg für dieses Spiel begeisterte. Zum Ende des Studiums brach die kleine Schar enthusiastischer Bridgespieler einerseits durch trennende Berufswege auseinander, bekam aber andererseits Zuwachs durch die nun in Erscheinung tretenden Ehefrauen.
In dieser Runde mit auf Zetteln in Kurzfassung erstelltem Regelwerk wurde an so manchem Samstagnachmittag bis in die Nachtstunden hinein das Kartenglück beim Rubber-Bridge herausgefordert. Wenn sich wirklich einmal acht Spieler an einem solchen Spieltag zusammenfanden, kam es zu einem Teamturnier mit selbstgebauten Boardtabletts, damit an zwei getrennten Tischen in verschiedenen Räumen nach jeweils zwei Spielen die Karten gewechselt werden konnten. Der Vergleich der Ergebnisse an beiden Tischen brachte nun einen vielleicht guten Punktwert trotz schlechter Karten. Dies bedeutet, nicht nur mit guten Karten kann man gewinnen – das „Kartenglück“ wird minimiert. Höhepunkt in dieser Zeit war ein von Udo Marx organisiertes „Internationales Duplikat-Turnier im Kontrakt-Bridge“ am 23.04.1977 in Halle (Saale). Durch seine Tätigkeit an der Universität stieß er auf Mitarbeiter aus Bangladesch, die sich unserer kleinen Gruppe anschlossen.
Inzwischen hatte sich in Halle eine zweite Gruppe Bridge-Spieler gefunden. Hier war es der Mediziner Dr. Wolfgang Schütte, der in seinem Bekanntenkreis die hohe Kunst des königlichen Kartenspiels publik machte. In diesem Kreis basierte die Berechnung der Spielstiche auf einem Punktsystem, das Udo Marx später in einem kleinen „Bridge-Brevier“ für uns als Regelwerk zusammenfasste. Beim Basketballspiel, das Vertreter beider Bridge-Lager betrieben, fand man sich, so dass nun häufiger acht Spieler an zwei Tischen das Duplikat-Turnier betreiben konnten. Selbst Urlaubsfahrten wurden so geplant, dass wenigstens vier Spieler verfügbar waren. Inzwischen waren auch die Kinder der ersten halleschen Bridge-Generation herangewachsen, auf die wir Eltern wiederum den Virus und das Regelwerk übertragen konnten.
Mit der Wende in Deutschland wuchsen auch Informationen über den nationalen deutschen Bridgeverband (DBV), unter dem als Dachorganisation am 09.11.1995 von acht halleschen Enthusiasten der 1. BC Halle (Saale) aus der Taufe gehoben werden konnte. Zum ersten Vorsitzenden wurde erwartungsgemäß Dr. Udo Marx gewählt. Leider konnte er dieses Amt nur sehr kurze Zeit ausüben und die sprunghafte Entwicklung des Clubs nicht mehr erleben. Sein Sohn André übernahm den Clubvorsitz als Erbe seines Vaters.
Über einen Artikel in der Lokalpresse (MZ) fanden in der Folgezeit bereits mehr als zehn weitere Bridgespieler sowohl hier ansässige Hallenser als auch Hallunken (so werden hier die „Einwanderer“ bezeichnet) zu uns. Bis zu 20 Spieler fuhren nun regelmäßig dienstags nach Teutschenthal, wo uns die „Schloßherrin“ Frau Wentzel, die inzwischen einen Bridgekurs absolviert hatte, den Frühstücksraum ihres Schlosshotels als Spiellokal zur Verfügung stellte. Um den Zeitaufwand zu minimieren und die Nachtfahrten einzuschränken suchten wir nach einer neuen Spielstätte in Halle selbst. Wir fanden im Wirt des „Krug zum grünen Kranze“ einen Förderer unserer Leidenschaft, denn hier wurde uns kostenlos ein Nebenzimmer bzw. ein Teil des Gastraumes zur Verfügung gestellt. Leider währte diese Freude nicht lange und wir mussten uns wieder um ein neues Spiellokal kümmern. Wir fanden die in alten halleschen Spielerkreisen nicht unbekannte Kneipe „Zum Sargdeckel“, es folgten der „Ackerbürgerhof“ und schließlich der „Dessauer Hof“, deren Wirtsleute uns immer beherbergten.
Zwischenzeitlich hatte sich das Durchschnittsalter der Mitglieder unseres Klubs deutlich nach unten entwickelt. Ein Grund dafür waren mehrere Initiativen, das Bridgespiel unter Studenten publik zu machen. Im Bereich Mathematik/Informatik, in der Chemie und auch am Südstadt-Gymnasium wurden junge Leute mit dem nicht ganz einfachen Regelwerk vertraut gemacht. Doch die wenigsten Studenten bleiben nach ihrer Exmatrikulation in Halle, so dass wir weiterhin an neuen Mitgliedern interessiert sind. Leider gibt es immer noch zu wenige, die sich uns anschließen. Mehrere von uns sind in der Lage und auch ausgebildet, Unterricht zu erteilen und damit das Regelwerk zu vermitteln.
Bridgespielen trainiert das Gedächtnis, fördert die Konzentrationsfähigkeit und schult logisches Denken. Also nur Mut, lassen Sie sich durch nichts abhalten und kontaktieren Sie uns, Sie werden es nicht bereuen.

